Rupprecht Matthies

"Leuchtende Zeiten"

17. April bis 15. Mai 2016

   

Öffnungszeiten: bis 15. Mai 2016 jeweils sonntags von 12 bis 18 Uhr und jederzeit nach Vereinbarung




Leuchtende Zeiten

Bei Tom Gefken sind es Leuchtkästen, die den Schwerpunkt der Werke bilden. Er verwendet auch hier - wie schon in seinen früheren Arbeiten - zum Teil alte Fotos, vorzugsweise Schnappschüsse aus den 50er-Jahren. Zum Beispiel reproduziert er bei dem Kasten „Scarry“ einer Gruppe von fünf Leuten, die im Stil der damaligen Zeit eine Party feiern. Die Stimmung ist fröhlich, aber verhalten, man "traut sich  nicht richtig". Dieser Eindruck wird betont durch das warme Licht des Leuchtkastens. Im Vordergrund stehen drei kleine Holzfiguren, auf den ersten Blick zwei Männer und eine Frau. Sieht man genauer hin, erkennt man bei allen dreien dasselbe Gesicht, das Gesicht des Künstlers. Die Austauschbarkeit der drei Figuren verstärkt den Eindruck der Partyszene, nur nicht zu viel von sich Preis geben, sich nicht festlegen.

Auch der Leuchtkasten "Buddy" passt in die Atmosphäre der 50er-Jahre. Man sieht eine Art Vertiko, eigens getischlert, um überflüssigen Nippes zu archivieren, Nippes, der nur hervorgeholt wird, um ihn zu entstauben. Das Möbel hat eine Tür, die an ein Kirchenfenster erinnert. Obendrauf thront ein Gebilde, ähnlich einer Monstranz. Man möchte gern in den Schrank hineinsehen, aber es gibt keinen Schlüssel und vielleicht ist es auch besser, nicht zu wissen, was sich darin verbirgt.
Ein weiterer thematischer Schwerpunkt der Ausstellung sind die "Klassiker", Adaptionen klassischer Maler wie Monet, Rubens oder Caravaggio. Tom Gefken benutzt statt Leinwand alte Bretter von Transportkisten, mit Rissen und Astlöchern, die durch die Farbe hindurch schimmern. Das steht bewusst im Gegensatz zu den Originalen der alten Meister, wo jede Beschädigung eine Katastrophe wäre. Bei Gefken jedoch ist die Katastrophe mit eingeplant.

Rupprecht Matthies stöbert in historischen Handschriften und Scherenschnitten. Er macht aus Papierscherenschnitten Edelstahlskulpturen und aus Ölbildern Mobiles. Er spürt hinter Stilen anderer Kollegen her: Romantik, Klassik und/oder Expressionismus, nur um sie sich einzuverleiben und um dann damit im Heute am Ende der künstlerischen Nahrungskette zu stehen. Rupprecht Matthies aktualisiert diese älteren Positionen aus der Haltung heraus, dass es den Kollegen eben auch nur um das ewig Menschliche, den künstlerischen Antrieb gegangen ist und liefert eine aktuelle Übersetzung dessen, nicht ohne sich selbst als Medium diesen zur Verfügung gestellt zu haben.

Die nostalgische Brücke zur Handschrift verankert er auch in der Gegenwart. Heute schreibt ja kaum noch jemand mit der Hand. Er kombiniert Handschriften mit der Modernität von Acrylglas. Rupprecht Matthies interessiert der unbewusste Moment des Schreibens, die kreative Gestaltung im Automatismus der Handschrift, das Lautere im Selbstgeschriebenen und die Schönheit in der Kalligraphie des Alltags. Er bittet Freunde, Bekannte, allgemein Menschen denen er begegnet ihm etwas aufzuschreiben, ein Wort einen Gedanken. Er erhält das Persönliche, den Charakter und gestaltet die Schriften dann weiter. Hieraus entstehen Objekte, künstlerische Pfeile die sich direkt ins Zentrum der Wahrnehmung bewegen.

Sein Mittel ist das Stück Schrift, ein in sich Stück gewordener Gedanke. Das Wort bei Rupprecht Matthies entspricht dem Raster, der Rakel, dem Nagel, dem Filz, dem Drehen, dem Tropfen anderer Künstler. Er formt es und benennt mit diesem Mittel seine ganz eigene Welt. Die Grundaufgabe eines Künstlers ist einen eigenen Stil zu finden in dem er sich frei und aufrichtig ausdrücken kann, dies schafft Rupprecht Matthies virtuos und mühelos und entführt den Besucher in ein Glasperlenspiel, eine Menagerie der Phantasie und des Humors.